Gründer rausgeworfen – #MeToo kommt in deutscher Tech-Szene an

22. Okt 2018

manager-magazin.de: Die Fitness-App 8fit zählt zu den Hidden Champions der Berliner Start-up-Szene. 20 Millionen Nutzer haben sich bisher in der App registriert, die Trainingsprogramme für zu Hause und Ernährungspläne anbietet. Seit dem Start 2014 ist das Unternehmen stark gewachsen, setzt nach eigenen Angaben mehrere Millionen Euro um. So brauchte 8fit lange Zeit kaum Kapital von Investoren – man sei profitabel, sagte der Gründer Pablo Villalba vergangenes Jahr. Eine Entwicklung, die den wenigsten Start-ups gelingt.

Doch jetzt bröckelt die schöne Story. Die Gesellschafter haben den Gründer und Geschäftsführer Villalba herausgeschmissen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es soll um Fehlverhalten in Finanzsachen und sexuelle Belästigung gehen, berichtet die Nachrichtenagentur “Bloomberg”.

Villalba musste bereits im September seinen CEO-Posten abgeben. Die 8fit-Investoren beauftragten eine unabhängige Kanzlei damit, das Verhalten des Gründers zu prüfen. Daraufhin hat Villalba jetzt seinen Sitz im Aufsichtsrat verloren. Bei einem Meeting vergangene Woche hieß es von den Gesellschaftern, man zeige “null Toleranz” bei Fehltritten dieser Art. Details nannten die Investoren des schwedischen Investmentfonds Creandum und des Fidelity-Investmentarms Eight Road Ventures dabei nicht. Vor etwa einem Jahr investierten sie zehn Millionen US-Dollar in 8fit.

Eine Anfrage von manager-magazin.de ließ Villalba bisher unbeantwortet. Gegenüber “Bloomberg “berief er sich auf Vertraulichkeitsvereinbarungen und sagte, er sei wegen Uneinigkeiten mit dem Aufsichtsrat gegangen.

Der Fall ist der erste in Deutschland, bei dem ein Start-up-Gründer sein Unternehmen offiziell verlassen muss, weil er der sexuellen Belästigung beschuldigt wird. Während die #MeToo-Bewegung an der deutschen Tech-Branche bisher nahezu spurlos vorbeigezogen ist, hat sie den Sektor in den USAmit großer Wucht getroffen. Zahlreiche namhafte Investoren und Gründer mussten dort ihre Posten räumen, unter anderem der Hyperloop-One-Mitgründer und Uber-Investor Shervin Pishevar und der bekannte Risikokapitalgeber Dave McClure, der sich später öffentlich als Ekel bezeichnete und entschuldigte.

Dabei scheint es auch in deutschen Start-ups genügend Vorfälle zu geben. Darauf deutet eine Umfrage des Marktforschungsinstituts INNOFACT aus dem vergangenen Jahr hin: Knapp ein Drittel der befragten Frauen gab beispielsweise an, in den vorherigen zwölf Monaten unerwünscht berührt worden zu sein. Ein Fünftel berichtete von unerwünschten Küssen, etwa ebenso viele von ungewollten sexuellen Nachrichten.

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